Heimspeicher und dynamischer Tarif: wie viel Arbitrage ist realistisch?

Aktualisiert am 18. Juni 2026

Du willst einen Heimspeicher mit 5 bis 15 kWh kaufen und fragst dich, wie viel ein dynamischer Stromtarif zusätzlich bringt – nicht als Werbeversprechen, sondern als belastbare Zahl. Genau darum geht es hier: Wir nehmen die rohe Preisdifferenz an der Börse und ziehen Schritt für Schritt ab, was Wirkungsgrad, Verschleiß und Aufschlag wegfressen. Am Ende steht eine Größenordnung, die du verteidigen kannst. Die Grundsatzfrage, ob sich ein Speicher überhaupt lohnt, klärt die Seite Lohnt sich ein Stromspeicher? – hier geht es ausschließlich um die belastbare Höhe der Arbitrage.

Die kurze Wahrheit vorweg: Die naive Faustformel "teuerste minus billigste Stunde mal Kapazität" liegt deutlich zu hoch. Unser Rechner macht etwas anderes – er löst ein exaktes Volljahr-Optimum über rund 8760 echte Stundenpreise der letzten zwölf Monate. Was davon realistisch übrig bleibt, rechnen wir hier ehrlich her und schicken dich für die Endzahl zum Rechner.

Warum die naive Preisspanne deine Erwartung verzerrt

Die verlockende Rechnung geht so: Der billigste Strom kostet manchmal 5 ct/kWh, der teuerste 40 ct/kWh, macht 35 ct Differenz. Bei 10 kWh Kapazität und einem Zyklus pro Tag wären das 3,50 Euro – mal 365 Tage über 1.270 Euro im Jahr. Klingt großartig, ist aber Fantasie.

Diese Faustformel unterstellt vier Dinge, die nie gleichzeitig zutreffen: dass jeder Tag die volle Spanne hergibt, dass keine Energie verloren geht, dass kein Verschleiß anfällt und dass du die volle Kapazität jeden Tag genau im Tagestief lädst und im Tageshoch entlädst. Jede dieser Annahmen kostet dich einen Teil der Zahl. Wir gehen sie der Reihe nach durch – erst die Hebel auf die Marge je kWh, dann die auf die durchgesetzte Menge.

Wir nutzen die naive Spanne nur zur Abgrenzung, nie als Methode. Sie zeigt die theoretische Obergrenze – der belastbare Wert liegt klar darunter. Wer dir die Spanne als Ersparnis verkauft, rechnet schön, nicht ehrlich.

Marge je kWh: was Wirkungsgrad und die /η-Asymmetrie wegfressen

Die Jahresersparnis ist im Kern: durchschnittliche Marge je kWh mal durchgesetzte kWh. Beide Hebel knabbern unabhängig an der Zahl. Fangen wir bei der Marge an. Ein guter Heimspeicher hat einen Round-Trip-Wirkungsgrad (Laden plus Entladen über einen vollen Zyklus) von rund 88 %, also etwa 93,8 % beim Laden und nochmal 93,8 % beim Entladen. Das klingt nach wenig Verlust, wirkt aber hart auf die Marge. Denn für 1 ins Haus gelieferte kWh musst du wegen Lade- und Entladeverlust rund 1/0,88 ≈ 1,14 kWh einkaufen.

Deshalb zählt nicht die Differenz Preis_teuer minus Preis_billig, sondern Preis_teuer minus Preis_billig geteilt durch η. Diese /η-Asymmetrie ist der Knackpunkt: Bei einem günstigen Einkaufspreis von 5 ct werden daraus effektiv rund 5,7 ct, die du gegen den Verkaufspreis stellen musst. Je teurer du einkaufst, desto stärker schlägt der Faktor zu Buche – und genau hier setzt auch der Aufschlag an, wie der nächste Abschnitt zeigt. Eine schmale Spanne kann nach Wirkungsgrad komplett verschwinden.

Verschleiß und Aufschlag: zwei stille Margenfresser über die /η-Asymmetrie

Jede durchgesetzte kWh altert deinen Speicher. Wir rechnen konservativ mit 3 ct/kWh Degradationskosten – das ist deine Investition geteilt über die erwarteten Zyklen. Diese 3 ct ziehen wir direkt von jedem Geschäft ab. Eine Spanne, die nach Wirkungsgrad noch 4 ct Gewinn versprach, schrumpft so auf 1 ct – und ein Tag mit nur 2 ct Restspanne wird gar nicht erst gefahren, weil er Verlust machen würde.

Jetzt zum Aufschlag – und hier wird oft falsch gerechnet. Der Aufschlag K von standardmäßig 20 ct/kWh (Netzentgelt, Umlagen, Marge) plus 19 % MwSt kürzt sich gerade nicht raus. Weil der billige Einkaufspreis inklusive Aufschlag durch η geteilt wird, schlägt K über dieselbe /η-Asymmetrie negativ durch: Bei 20 ct Aufschlag und η = 88 % kostet er rund 3 ct je gelieferter kWh – also in derselben Größenordnung wie der Verschleiß. Die MwSt skaliert dabei alle Brutto-Preise um 19 % und verstärkt sowohl die Spanne als auch den /η- und Aufschlags-Nachteil. Was die Marge wirklich frisst, sind also Wirkungsgrad, Verschleiß und Aufschlag gemeinsam.

  • Gewinn je gelieferter kWh ≈ Preis_teuer − Preis_billig/η − 3 ct Verschleiß
  • Nur Stundenpaare mit positivem Restgewinn werden überhaupt gefahren
  • Eine Tagesspanne unter rund 6–8 ct bleibt nach allen Abzügen oft bei null
  • Der Aufschlag kürzt sich NICHT vollständig – über die /η-Asymmetrie kostet er bei 20 ct rund 3 ct je gelieferter kWh, ähnlich viel wie der Verschleiß

Durchgesetzte Menge: nicht jeder Tag hat eine nutzbare Spanne

So viel zur Marge je kWh. Der zweite Hebel ist die Menge – und der erste große Realitätsdämpfer dabei: Die Preiskurve ist nicht jeden Tag tief genug. An vielen Tagen liegen Tief und Hoch so nah beieinander, dass nach Wirkungsgrad, Verschleiß und Aufschlag nichts Fahrbares übrig bleibt. An anderen Tagen reicht die Spanne nur für eine Teilladung, nicht für einen vollen Zyklus. Sonnige, windige Frühlings- und Sommertage haben oft starke Mittagstiefs und damit gute Spannen; ruhige Übergangstage liefern kaum etwas. Wie sich das Bild im Winter mit gezieltem Netzladen verschiebt, zeigt der Ratgeber PV-Speicher im Winter nachts laden.

Genau hier trennt sich unsere Methode von jeder Faustformel: Das Volljahr-Optimum entscheidet für jede einzelne Stunde laden, entladen oder pausieren – und es lässt Tage ohne tragfähige Spanne einfach aus. Es zwingt keinen Zyklus, der Verlust macht. Deshalb landest du am Jahresende nicht bei 365 vollen Zyklen, sondern realistisch bei deutlich weniger nutzbaren – und das ist die ehrliche Zahl.

Vollzyklen, Kapazität und Leistungsgrenze: der Mengen-Hebel

Die durchgesetzten kWh hängen an drei Dingen: deinen nutzbaren Vollzyklen pro Jahr, deiner Kapazität und deiner Leistung. Mehr kWh Speicher heben den Wert, aber nicht linear, weil größere Kapazität an manchen Tagen mangels Spanne gar nicht voll genutzt wird – ein Heimspeicher mit 15 kWh bringt also nicht das Dreifache eines 5-kWh-Geräts.

Die Leistungsgrenze ist der heimliche Deckel. Mit typischen 3 bis 5 kW Lade- und Entladeleistung füllst du 10 bis 15 kWh nicht in der einen billigen Stunde, sondern brauchst über mehrere Stunden – und die sind selten alle gleich günstig. Das billige Preistief ist oft schmal; deine Lade-/Entladeleistung bestimmt, wie viel davon du überhaupt einsammeln kannst. Wer hier den Speicher rein nach Kapazität auslegt und die Leistung vergisst, überschätzt die Arbitrage. Noch enger wird dieser Deckel bei sehr kleinen Balkongeräten mit wenig Leistung und 2 bis 5 kWh – das zeigt der Balkonspeicher-Ratgeber.

Größenordnung statt Garantie: Für einen typischen Heimspeicher landen die belastbaren Jahreswerte erfahrungsgemäß im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich – klar unter der naiven Faustformel. Konkrete Euro hängen an deiner Kapazität, Leistung und dem rollierenden 12-Monats-Fenster. Wir versprechen keine festen Beträge.

Was zusätzlich zur PV gilt – und wo der Rechner die Wahrheit sagt

Diese Arbitrage kommt zusätzlich zu deinem PV-Eigenverbrauch. Gezählt wird nur Strom, den du auch selbst verbrauchst – du verkaufst nicht zurück an die Börse, du verschiebst deinen eigenen Bezug in günstige Stunden. Wirkungsgrad- und Verschleißverluste sind in den oben genannten Zahlen bereits abgezogen. Das ist bewusst die vorsichtige Lesart: lieber eine Zahl, die hält, als eine, die im Verkaufsprospekt glänzt.

Weil das Ergebnis mit dem rollierenden 12-Monats-Fenster schwankt, ist der Rechner die einzige verlässliche Quelle – er rechnet das exakte Volljahr-LP auf den aktuellen echten EPEX-Preisen für deine Eingaben. Stell deine Kapazität, Leistung, η, den Aufschlag und die Verschleißkosten ein und lass es auf den echten Daten laufen. Warum wir bewusst keine festen Euro-Beträge garantieren, steht in den FAQ.

Kurz & ehrlich

  • Die naive Spanne (teuerste − billigste Stunde × Kapazität) ist eine Obergrenze, keine Ersparnis – der belastbare Wert liegt klar darunter.
  • Marge je kWh: Wirkungsgrad (η ≈ 88 %, /η-Asymmetrie), Verschleiß (3 ct/kWh) UND der Aufschlag (über die /η-Asymmetrie ~3 ct/kWh) drücken gemeinsam den Gewinn je gelieferter kWh.
  • Nicht jeder Tag hat eine nutzbare Spanne – das Volljahr-LP lässt verlustträchtige Tage aus, du kommst nie auf 365 volle Zyklen.
  • Die Leistungsgrenze (etwa 3 bis 5 kW beim Heimspeicher) ist der heimliche Deckel: schmale Preistiefs lassen sich mit wenig Leistung nicht voll einsammeln.
  • Realistische Jahreswerte für Heimspeicher liegen meist im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich – zusätzlich zum PV-Eigenverbrauch.
  • Keine garantierten Euro-Beträge: Die Zahl schwankt mit dem 12-Monats-Fenster, der Rechner auf echten EPEX-Preisen ist die Wahrheit.

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Kapazität wählen, optional Wirkungsgrad und Verschleiß anpassen — und sehen, wie viel reine Arbitrage bei dir übers Jahr zusammenkommt.

Nutzbare Speicherkapazität8.0kWh

Balkonkraftwerk-Speicher ≈ 2–5 kWh · Heimspeicher ≈ 5–15 kWh

Exakte Volljahr-Optimierung (LP) auf echten EPEX-Day-Ahead-Preisen der letzten 12 Monate.

Geschätzte Arbitrage-Ersparnis
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